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Wie viel nimmt man beim Wasserfasten ab?

Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am

Kurz gesagt

Auf der Waage sind es grob 0,5 bis 1,5 Kilogramm pro Tag in den ersten Tagen, danach weniger. Echter Fettabbau liegt aber nur bei etwa 200 bis 400 Gramm täglich — der Rest ist Wasser aus dem geleerten Glykogenspeicher und dem Natriumverlust, und der kommt beim Aufbau zum großen Teil zurück. Nach drei Tagen sind realistisch 2 bis 4 Kilogramm auf der Waage, davon 0,6 bis 1,2 Kilogramm Fett.

Die Zahl, die du eigentlich suchst

Es gibt zwei Antworten auf diese Frage, und beide sind wahr. Was die Waage zeigt, und was tatsächlich Fett ist. Die erste Zahl ist doppelt bis dreifach so gross wie die zweite — und deshalb wird fast überall nur die erste genannt.

Was die Waage zeigt: grob 0,5 bis 1,5 Kilogramm pro Tag in den ersten Tagen, danach flacher.

Was Fett ist: etwa 200 bis 400 Gramm pro Tag. Nicht mehr.

Diese Obergrenze ist keine Meinung, sondern eine Division. Ein Kilogramm Körperfett enthält etwa 7.000 bis 7.700 Kilokalorien. Ein Erwachsener verbraucht ohne Nahrung grob 1.800 bis 2.500 Kilokalorien am Tag. Mehr Defizit als das geht nicht, wenn nichts zugeführt wird — also auch nicht mehr Fettabbau.

Spannbreiten nach Dauer

FastendauerWaagedavon Fettdavon Wasser und Darminhalt
3 Tage2–4 kg0,6–1,2 kg1,4–2,8 kg
5 Tage3–6 kg1,0–2,0 kg2,0–4,0 kg
7 Tage4–8 kg1,4–2,8 kg2,6–5,2 kg

Die Werte für dein Gewicht und deine geplante Dauer rechnet der Rechner Fett oder Wasser aus.

Ab sieben Tagen gehört das Fasten kontrolliert — die Zahlen für längere Zeiträume stehen hier bewusst nicht, weil sie ohne ärztliche Begleitung keine sinnvolle Planungsgrundlage sind.

Warum die Spannbreiten so breit sind

Vier Faktoren erklären fast den ganzen Unterschied zwischen zwei Menschen mit derselben Fastendauer.

Ausgangsgewicht. Ein schwererer Körper verbraucht mehr Energie im Ruhezustand und hat grössere Glykogenspeicher. Beides erhöht die Zahl auf der Waage.

Wie du vorher gegessen hast. Wer am Vortag Pasta, Brot und Reis gegessen hat, startet mit prall gefüllten Glykogenspeichern. Jedes Gramm Glykogen bindet etwa drei Gramm Wasser — das sind ein bis zwei Kilogramm, die in den ersten achtundvierzig Stunden verschwinden und nichts mit Fett zu tun haben.

Salz und Trinkmenge. Der Natriumverlust beim Fasten schwemmt Wasser aus. Wer viel salzt, verliert weniger Wassergewicht — und sieht auf der Waage weniger Erfolg, obwohl es ihm besser geht. Siehe Elektrolyte beim Fasten.

Bewegung. Sie leert die Speicher schneller und erhöht den Verbrauch leicht. Intensives Training bringt beim Fasten trotzdem nichts, siehe Muskelverlust vermeiden.

Der Moment, an dem die meisten aufgeben

Nach dem Fasten füllt sich der Glykogenspeicher wieder, das Wasser kommt mit, der Natriumhaushalt normalisiert sich. Ein bis zweieinhalb Kilogramm gehen in der ersten Aufbauwoche zurück auf die Waage.

Wer glaubt, in fünf Tagen fünf Kilogramm Fett verloren zu haben, erlebt das als Rückschlag und hört auf. Wer weiss, dass zwei davon Wasser waren, sieht dasselbe Ereignis als das, was es ist: Physiologie.

Das ist der eigentliche Grund für diese Seite. Nicht die Zahl, sondern die Erwartung. Die Erklärung im Detail steht unter Fettverlust oder Wasserverlust.

Wie du sinnvoll misst

  • Wochendurchschnitt statt Tageswert. Gleicher Wochentag, gleiche Zeit, nach dem Aufstehen. Vergleiche Wochen, nicht Tage.
  • Bauchumfang auf Nabelhöhe, einmal im Monat. Reagiert langsamer, dafür fast nur auf Fett.
  • Fotos in gleicher Haltung und gleichem Licht.
  • Nicht: Körperfettwaagen für den Hausgebrauch während des Fastens. Sie schätzen über den elektrischen Widerstand, und der hängt am Wasserhaushalt — genau der Grösse, die sich gerade am stärksten verändert.

Was die Zahl wert ist

Ein bis zwei Kilogramm echtes Fett nach einer Fastenwoche sind ein reales Ergebnis. Dasselbe Ergebnis wäre auch mit einem moderaten Defizit über vier bis sechs Wochen zu erreichen, ohne die Risiken — der Unterschied ist die Geschwindigkeit, nicht die Menge.

Was das Fasten zusätzlich leistet, ist etwas anderes: Es unterbricht Automatismen und verschiebt den Bezugspunkt für normale Portionsgrössen. Ob am Ende etwas bleibt, entscheidet sich in den drei Monaten danach — Ernährungsumstellung nach dem Fasten und Gewicht halten.

Häufige Fragen

Kann man 10 Kilo in einer Woche abnehmen?

Auf der Waage ist das bei sehr hohem Ausgangsgewicht möglich. An Fett sind es aber selbst dann höchstens zwei bis drei Kilogramm — für zehn Kilogramm Fett bräuchte es ein Defizit von rund 77.000 Kilokalorien, das ist in einer Woche physikalisch nicht erreichbar. Wer mit zehn Kilogramm wirbt, redet über Wasser.

Warum nehme ich langsamer ab als andere?

Die grössten Faktoren sind Ausgangsgewicht, Muskelmasse und wie kohlenhydratreich du vorher gegessen hast. Wer schon schlank ist, hat weniger Glykogen und weniger Wassereinlagerung — bei ihm zeigt die Waage von Anfang an ehrlichere, also kleinere Zahlen.

Wie viel kommt nach dem Fasten zurück?

Rechne mit einem bis zweieinhalb Kilogramm, je nach Fastendauer. Das ist Wasser mit dem wieder aufgefüllten Glykogenspeicher und Darminhalt, kein Fett. Wer das vorher weiss, hält durch; wer es nicht weiss, gibt an dieser Stelle auf.

Zählt der Gewichtsverlust am Ende überhaupt?

Der Fettanteil zählt, und der ist echt. Die Frage ist nur, ob er unten bleibt — und das entscheidet die Ernährung in den Monaten danach, nicht die Fastentage.

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Quellen

  1. Hall K. D. et al. (2011): Quantification of the effect of energy imbalance on bodyweight. The Lancet.
  2. Kreitzman S. N. et al. (1992): Glycogen storage — illusions of easy weight loss. American Journal of Clinical Nutrition.
  3. Wilhelmi de Toledo F. et al. (2019): Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period. PLOS ONE.

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