Tag 2
Zwei Kilo weniger, und nichts davon ist Fett
· Thomas Freimoser
- Gewicht
- 94,3 kg
- Schritte
- 4.210
- Stimmung
- ●●○○○
- Energie
- ●●○○○
Symptome: Kopfschmerzen, Frieren, Müdigkeit / Schwäche · beobachten
94,3 Kilogramm. Zwei Komma eins weniger als gestern. Wenn ich diese Zahl auf Instagram stellen würde, ohne einen weiteren Satz, wäre das die erfolgreichste Meldung dieser vierzig Tage — und die unehrlichste. Zwei Kilo Fett in einem Tag sind physikalisch nicht möglich. Dafür bräuchte ich ein Defizit von etwa 15.000 Kilokalorien. Was ich verloren habe, ist Wasser: Der Glykogenspeicher leert sich, und jedes Gramm Glykogen nimmt etwa drei Gramm Wasser mit.
Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob eine Fastenerfahrung nützlich oder schädlich ist. Wer diese Zahl für Fett hält, ist in der Aufbauwoche frustriert, wenn ein Teil zurückkommt — und viele hören dann auf. Ich schreibe die Zahl trotzdem hin, jeden Tag, weil das Weglassen auch eine Form von Unehrlichkeit wäre.
Der Nachmittag war schlecht. Zwischen 14 und 17 Uhr war ich zu nichts zu gebrauchen: Kopf noch da, dazu eine Müdigkeit, die sich nicht wegspazieren liess. Ich habe zwei Termine verschoben, was ich mir zum Glück vorher schon offen gehalten hatte. Wer im Homeoffice fastet und den Kalender voll lässt, hat einen Fehler gemacht, den man nicht mehr korrigieren kann.
Und ich friere. Es sind draussen 24 Grad, und ich sitze mit Pullover und Wärmflasche da. Der Körper senkt die Wärmeproduktion, um Energie zu sparen — nachlesbar, plausibel, und trotzdem überraschend, wenn man es zum ersten Mal an sich selbst erlebt.
Drei Symptome gleichzeitig, alle in mittlerer Ausprägung: Kopfschmerz, Frieren, Müdigkeit. In meiner eigenen App springt die Ampel bei dieser Kombination auf Gelb mit deutlichem Hinweis, bei starker Ausprägung auf Rot. Ich finde das im Selbstversuch etwas streng — und gleichzeitig richtig. Eine Ampel, die man selbst gebaut hat und dann wegklickt, wäre ein schlechtes Werkzeug.
Der fachliche Einschub
Es sind nicht nur Glykogen und Wasser. Mit dem sinkenden Insulin scheidet die Niere Natrium aus, und Wasser folgt dem Natrium. Das erklärt die Zahl auf der Waage und gleichzeitig den niedrigen Blutdruck, das Frieren und einen Teil des Kopfschmerzes. Es ist auch der Grund, warum Salz beim Wasserfasten kein Regelbruch ist, sondern Werkzeug.
Persönliche Erfahrung — keine allgemeine Empfehlung. Dieser Eintrag beschreibt einen Selbstversuch. Er ist ausdrücklich kein Vorbild und keine Anleitung. Was ich Leserinnen und Lesern fachlich empfehle, steht in den Fachartikeln und ist deutlich zurückhaltender.